«Wir verschenken keine ‹Zähni›, aber …»

Wettkampfleiter Marco Bollmann setzt sich dafür ein, dass Wertungsrichter am Schwyzer Kantonalturnfest gute Leistungen im Geräteturnen, Aerobic und in der Gymnastik honorieren. Und er spricht über seinen Favoriten auf den Festsieg, warum er einen «genialen Wettkampf» erwartet und wie er zu Beginn der Vorbereitung nicht immer gleichen Meinung mit dem restlichen OK war…

Kantonaloberturner und gleichzeitig Gesamtwettkampfleiter des Turnfests – Marco Bollmann hatte in den vergangenen Monaten ein immenses Pensum abzuspulen. Bollmann, einst Bankangestellter, hat mit seiner Ehefrau die Rollen getauscht, ist nun Hausmann und froh, dass er Vieles zu Hause erledigen konnte. «Einen 100-Prozent-Job hätte ich mit dem Turnfest nicht vereinbaren können», sagt Bollmann. Sein Aufgabengebiet ging weit über den Wettkampf hinaus. «Ich war in viele Sachen involviert, die eigentlich nicht mein Ding waren», sagt der 37-Jährige. «Aber das kam mir entgegen. Ich würde nicht so weit gehen, mich als Kontrollfreak bezeichnen. Aber ich habe gerne die Übersicht. Und es ist interessant, einen Einblick in viele Bereiche der Organisation zu haben.»

Eine Lösung, mit der alle zufrieden sind

In seiner Funktion als Gesamtwettkampfleiter wurden nicht alle Vorstellungen Bollmanns von seinen Kollegen im OK geteilt. Zum Beispiel forderte er ein Gerätezelt mit Holzboden, das die Organisatoren teuer zu stehen gekommen wäre. Auch die Miete der teuren, aber ausgeklügelten Software STV-Contest kam nicht nur gut an. «Einerseits wollte ich ein Fest der kurzen Wege. Dass zum Beispiel Schaukelring nicht in Buttikon, sondern Reichenburg stattfindet, war für mich unvorstellbar. Und die Software erleichtert unsere Arbeit enorm. Der Zeitplan war so innert zwei Stunden erstellt», so Bollmann. Letztlich konnten für -alle Seiten befriedigende Lösungen gefunden werden. «Die Software kommt uns nicht so teuer zu stehen wie geplant. Und die Disziplinen Gymnastik und Aerobic finden in einem Zelt statt, deshalb haben wir in der Turnhalle Kapazität für das Geräteturnen.» 

Nun hat Bollmann seine Ziele erreicht, die er zu Beginn der Planungen steckte: «Kurze Wege und einwandfreie Anlagen für jede Disziplin. Wir haben gute Wurfanlagen, Betonringe für das Kugelstossen, ein Gymnastik- und Aerobic-Zelt mit Teppich, Sprung- und Sprint-Disziplinen auf Tartan. Die Voraussetzungen für einen genialen Wettkampf sind da.»

Festsieger? «Ich glaube Wettingen»

An den Wettkampftagen muss Bollmann den Überblick behalten. Er hat bei strittigen Entscheidungen das letzte Wort, er segnet jede einzelne Vereinsnote (!) ab. Und er freut sich, dass ein starkes Teilnehmerfeld am Start ist. «Ich finde das sehr cool – und sage das an Konferenzen auch den Oberturnern anderer Kantone», erzählt er mit einem Schmunzeln. 

Gefreut habe ihn auch die Teilnahme des STV Wettingen, der dreifache Eidgenössische Turnfestsieger. «Ich sprach mit Oberturner Fabio Moser. Er hat den Plausch, dass sein Verein ein Jahr vor dem Eidgenössischen bei uns in einem so starken Feld starten kann. So etwas hört man gerne.» 

Für Bollmann ist Wettingen denn auch Favorit auf den Turnfestsieg. So klar ist die Angelegenheit für ihn jedoch nicht. Er geht von einem «Dreikampf zwischen Wettingen, Wangen und Buttikon-Schübelbach» aus. «Den TV Mels habe ich natürlich auch auf der Rechnung. Für mich ist er aber schwierig einzuschätzen», so Bollmann. Und: «Ich hätte natürlich am liebsten einen Schwyzer Turnfestsieger. Egal wer. Insgeheim glaube ich aber, dass Wettingen das Rennen macht.» Bollmann sagt weiter, dass er es sympathisch finde, wenn ein Verein nicht nur eine, sondern mehrere Sportarten in seinem Programm hat. Wie Wangen. Oder Buttikon. 

Ob der Festsieg in den Kanton Aargau geht, hängt auch davon ab, wie hoch die Wertungsrichter die Messlatte für die Höchstnote in den schätzbaren Disziplinen ansetzen. «Wir verschenken keine ‹Zähni›, ganz klar. Aber ich -habe die Verantwortlichen angewiesen, dass wir faire, gute Noten; eher grosszügig werten wollen. Gute Vorführungen sollen belohnt werden. Wenn ein Verein in den Augen der Wertungsrichter die Höchstnote verdient, dann ist es so.»

Sein Nachfolger ist stets dabei

«Eine Standortbestimmung» für die Notengebung in Geräteturnen und Gymnastik gäbe es am Freitagabend, 22. Juni. Dann starten Reichenburg und Buttikon-Schübelbach, die Organisatoren. Einfluss nehmen wird Bollmann nicht. «Es werten versierte Richter, die auch am Samstag im Einsatz sind. Im Geräteturnen zum Beispiel Yvonne Stachel, Cindy Späni, Tamara Litschi und mein Götti Otti Bollmann. Sie haben jahrzehntelange Erfahrung und wissen, was sie tun.» Zuerst, so Bollmann weiter, freut er sich aber auf die Einzel- und Jugendwettkämpfe am Samstag und Sonntag. Auch hier erwartet Bollmann, der als Leichtathlet schon mehrere Zehnkämpfe
bestritt, «hochklassige Wettkämpfe».

Bollmann wird bei den Vorbereitungen und während des Wettkampfs stets Michael Kistler (STV Reichenburg) an der Seite haben, der designierte Nachfolger Bollmanns. «Er wird wie eine Fliege an mir kleben», lacht er. «Er soll Erfahrungen sammeln können, schliesslich wird er in sechs Jahren am nächsten Kantonalturnfest dieselbe Funktion haben wie ich.»