Ein doppeltes «es liegt alles drin»

Sie gehören beide seit Jahrzehnten zur Schweizer Spitze. Sie reisen beide nach Buttikon, um sich mit starker Konkurrenz zu messen. Und sie sind beide Favoriten auf den Turnfestsieg: Der STV Wettingen und der TV Mels.

Der dreiteilige Vereinswettkampf ist die Königsdisziplin. Das einzige Wettkampfformat im Turnsport, das Vereine mit unterschiedlichsten Stärken gegeneinander antreten lässt. Wer bestehen will, muss breit aufgestellt sein, über mindestens drei starke Disziplinen verfügen. Und so werden am Schwyzer Kantonalturnfest etliche Sektionen am Start sein, die in einzelnen Disziplinen zwar zur Schweizer Spitze gehören, an einem Turnfest aber nicht mit den Allerbesten mithalten können. Nicht dazu gehören Wettingen und Mels. Beide Vereine gehören an jedem Turnfest, an dem sie antreten, zu den ganz grossen Favoriten. 

«Wir schauen auf unsere Leistung»

Dies stellte Wettingen am vergangenen Samstag unter Beweis. Die Aargauer gewannen das Kreisturnfest in Würenlos. «Es war ein halbes Heimspiel. Wir reisten mit Velos an und viele Leute aus dem Umfeld der Turner feuerten uns an», sagt Oberturner Fabio Moser. «Sportlich waren wir mit unseren Auftritten sehr zufrieden. Am Sprung sind wir bereits auf einem sehr guten Niveau. Wir müssen darauf achten, dieses Niveau halten zu können. Am Boden und an den Schaukelringen hatten wir noch kleinere Fehler, an denen es nun noch zu arbeiten gilt.» 

Wettingen zeigt an Ringen und am Sprung in dieser Saison komplett neue Programme, am Boden wurde ein neuer Teil integriert. Schon früh in der Saison zeigte sich, dass die Programme sitzen. Am Coupe de Bains in Yverdon wie auch an den Aargauer Meisterschaften gelangen dem TVW starke Auftritte. Und nun, am ersten von
zwei Turnfesten der Saison, gab es die Note 29,61. Eher streng benotet, fand Fabio Moser. «Aber wir schauen jeweils in erster Linie auf unsere Leistungen und nicht auf die Note. Und diese waren gut.»

Nun geht es nach Buttikon ans Schwyzer Kantonale. «Ein Saisonhöhepunkt», sagt Moser. Der letzte Wettkampf, bevor die Vorbereitung auf die SM beginnt. «Man merkt schon, dass eine gewisse Anspannung da ist. Das Turnfest in Buttikon ist unser grösstes Ziel in der ersten Saisonhälfte, darauf haben wir hingearbeitet. Die Vorfreude ist gross», sagt Moser. 

Ein konkretes Ziel nennt Moser nicht. Aber er wird ahnen, dass 29,61 Punkte nicht für den Turnfestsieg reichen dürften. «Wir reisen nach Buttikon, um gut zu turnen», lässt er sich nur entlocken. Immerhin auch noch: «Wenn wir unsere Top-Leistung abrufen, liegt alles drin.» 

23 Titel in 22 Jahren

Es liegt alles drin. Genau dieselben Worte benutzt auch Stephan Bärtsch, Oberturner des TV Mels. «Im Sommer 2017 wurden wir von zwei Turnfestsiegen verwöhnt. Aber jetzt wird es sehr schwierig. Wettingen ist am Start, Wangen, Buttikon-Schübelbach», zählt er auf. «Wettingen ist spezialisiert auf Geräteturnen, bei Wangen und Buttikon liegt der Fokus eher auf der Leichtathletik. Wir sind breiter aufgestellt. Deshalb ist es für uns schwieriger, eine hohe Durchschnittsnote zu erreichen», so Bärtsch. 

In der Tat gehört Mels zu den ganz wenigen Vereinen der Schweiz, die im Geräteturnen und in der Leichtathletik zur Spitze gehören. Am Boden und am Barren sammelte Mels in den vergangenen 22 Jahren 23 Meistertitel. In der Leichtathletik wurden die Männer im Vorjahr erstmals LMM-Meister. 

Die bisherigen Saisonleistungen unterstreichen, dass am Samstag mit dem TV Mels zu rechnen ist. In der LMM-Vorrunde knackten gleich zwei Männer-Teams die 14 000-Punkte-Marke, an der Pendelstafetten-SM gab es zwei Titel und am Tannzapfe-Cup in Dussnang gewann die Barrenriege mit der Note 9,81, am Boden gab es mit 9,69 Punkten Rang zwei. Und die Team-Aerobic-Riege des DTV Mels, die im dreiteiligen Vereinswettkampf integriert ist, wurde am Tannzapfe-Cup Neunte (9,13). «Wir sind stark besetzt und kommen immer mehr in Fahrt. Die Programme sitzen», sagt Bärtsch über die Saison. «Wir freuen uns enorm auf den Wettkampf, sind gut vorbereitet und werden voll angreifen.» Und eben: «Es liegt alles drin.» 

Dass Mels in Buttikon am Start ist, ist kein Zufall. Die Sarganserländer sind regelmässig Gäste, wenn im Kanton Schwyz ein Turnfest stattfindet. «Wir wissen, dass Turnfeste hier gut organisiert sind. Es gibt auch eine starke Konkurrenz, mit der wir uns messen können. Und ein Kantonalturnfest ist immer etwas Spezielles.»